
Schwanzmeisen (Aegithalos caudatus) am Futterplatz
Futterplätze und Nistkästen können uns die Vogelwelt näher bringen und helfen dabei den Tieren bei Quartier- und Nahrungsmangel.
|
Wieso Nistkästen?
Es macht vielen Menschen Spaß, Vögel zu beobachten. Im Winter geht das gut an Futterstellen. Zu den anderen Jahreszeiten ist man auf den Zufall angewiesen, wenn man Vögeln über längere Zeit zuschauen möchte. Die Aufzucht von Jungen ist eine sehr aufwendige Tätigkeit. Wer das Glück hat, ein Vogelnest im Garten zu haben, kann auch während der Brutsaison die Vögel lange beobachten und weiß immer, wo sie zu finden sind. Wer Nistkästen aufhängt, vergrößert seine Chance beträchtlich, Vögel beobachten zu können. So kann man sogar in gewissen Grenzen planen, wo die Vögel brüten werden. Dann können sie z.B. mit einem Fernglas bequem durch ein Fenster hindurch betrachtet werden.
|
Nistkästen helfen den Vögeln beim Brutgeschäft. Allerdings nicht allen Vögeln, sondern nur den Höhlenbrütern. Höhlenbrüter sind Vögel, die in Hohlräumen, wie etwa in Baumhöhlen brüten. Zu ihnen gehören z.B. Meisenarten, Star und Kleiber. Baumhöhlen werden z.B. von Spechten angelegt oder sie entstehen durch Fäulnis an Bäumen, nach Verletzung der Rinde, Astbruch oder nach Blitzschlag. Höhlenbäume sollten eigentlich nicht allzu selten sein. Ein Baum, der eine Höhle enthält wird allerdings meistens schnell entfernt, da er eine Gefahr darstellen kann. Durch die Verletzung von Borke und Rinde können Pilze eindringen und sich ausbreiten. Auch dadurch ist der Baum dann nicht mehr so stabil und könnte bei Stürmen oder unter einer Schneelast abbrechen. Daher werden Höhlenbäume in Städten und im Wald in der Nähe von Wegen oft gefällt. Zusätzlich stellt eine Höhle eine Qualitätminderung des Holzes dar. Bevor ein ganzer Baum durch die Fäulnis wertlos wird, wird er im Wald rasch gefällt. Zusätzlich würde er den anderen, wertvollen Bäumen den Platz wegnehmen.

Nistkästen gibt es in verschiedensten Bauweisen
Nicht alles, was schön und zweckmäßig aussieht ist für den Nistkasten auch angemessen: Das Einflugloch ist zu tief angesetzt und selbst die Dachpappe ist nicht nur überflüssig, sie hat sogar Nachteile.
|

Höhlenbaum
In dieser Buche ist eine Baumhöhle. Die Borke ist angegriffen. Insekten sind eingedrungen.
|
Wert eines Höhlenbaumes
Höhlenbäume haben aber nicht nur einen wirtschaftlichen Wert. Von ihnen profitieren viele Tierarten. Wilde Bienen können sich in den Höhlen einrichten, Säugetiere wie Mäuse, Siebenschläfer und Fledermäuse finden das ganze Jahr über Schutz und Quartier in Baumhöhlen. Oft beherbergen sie auch seltene Käfer usw. Höhlenbäume haben also eine wichtige ökologische Funktion.
Dabei teilen sich die verschiedenen Tierarten sogar eine Baumhöhle. Allerdings selten gleichzeitig. So kann ein Specht eine Baumhöhle anlegen und im ersten Jahr darin Brüten. Im nächsten Jahr kommt dann vielleicht ein Kleiber, "dekoriert etwas um" indem er das Einflugloch verkleinert und Brütet dann. Im Winter ziehen vielleicht Mäuse ein und im nächsten Sommer kommen dann die Fledermäuse.
Ein Höhlenbaum ist also eine wertvolle Sache und sollte möglichst erhalten bleiben. Leider werden sie, wie oben schon erwähnt, aus Sicherheits- und wirtschaftlichen Gründen oft entfernt. Gerade auch in Städten sind sie selten. Höhlenbrüter finden daher selten natürliche Brutmöglichkeiten. Abhilfe schaffen künstliche Höhlen, also beispielsweise Nistkästen, die von den Vögeln gerne angenommen werden. Aus ökologischer Sicht sind sie allerdings eher "nur zweite Wahl".
|

Nistkästen sollten gut befestigt werden Nistkästen sind Wind und Wetter ausgesetzt. Beim Brutgeschäft sollte es keine bösen Überraschungen geben.
|
Nistkästen aufstellen
Der richtige Zeitpunkt zum aufstellen eines Nistkastens ist im Herbst. Die Vögel können sich schon an den Kasten gewöhnen und auch einmal darin übernachten. Dadurch wächst die Wahrscheinlichkeit, dass sie diesen Kasten zum Nisten erwählen. Weiterhin kann man nicht so genau vorhersagen, wann ein Vogel mit dem Nisten anfangen will. Das kann auch vom Wetter abhängen und Wettervorhersagen...
Spätestens Mitte März jedoch sollte der Kasten hängen. Damit Katzen und Marder nicht so einfach an den Kasten herankommen, sollte er mindestens 1,50 - 3 m über den Boden aufgehängt werden. Dazu kann er z.B. an eine Hauswand, etwa unter einem Dachvorsprung angeschraubt werden. Er kann auch an einen Baum angenagelt werden. Dazu dann aber Alu-Nägel benutzen, da diese den Baum nicht so sehr schädigen. Die einfachste Methode ist jedoch das Aufhängen mit einem robusten Metallbügel, der sich beispielsweise im oberen Teil des Nistkastens befinden kann. Der Kasten kann damit einfach an einem stabilen Ast frei gehängt werden. Dies geht jedoch nur, wenn der Baum windgeschützt steht. Sonst muss der Kasten mit einer Seite dem Baumstamm anliegen und hängt vielleicht nur an einem starken Aststummel. Dabei ist weiterhin darauf zu achten, dass der Kasten nicht nach oben gekippt ist. Er sollte lieber mit dem Loch leicht nach unten gekippt hängen, da Regenwasser dann nicht so leicht eindringen kann.
Die Ausrichtung des Kastens spielt auch eine Rolle. Das Loch sollte nicht zur Hauptwetterseite (Hauptwindseite, Westen) hin weisen, da sonst Regen gegen das Loch schlagen kann. Weiterhin sollte es auch nicht zur Hauptsonnenseite, also nach Süden hin zeigen. Daher ergibt sich, dass der Kasten am besten mit dem Loch nach Osten oder Südosten hin weisen sollte.
Nistkästen können im Garten, an Hauswänden, in Parks und auch im Wald aufgehängt werden. Auch können mehrere Nistkästen aufgehängt werden. Dabei entscheidet der Abstand voneinander, ob die Kästen auch bezogen werden. Meisen und Schnäpper verteidigen ihre Nistkästen vehement gegen alles, vor allem aber anderen Individuen ihrer Art. Zu viele Nistkästen schaffen schließlich Futterknappheit für den Nachwuchs, da sich zu viele Vogeleltern die knappen Ressourcen teilen müssen. Wer die Nistkästen also nicht vergebens aufängen will, sollte einen Abstand der Kästen untereinander von 10 - 15 m einhalten. Eine Regel wie "ein Kasten pro Garten" ist natürlich Unfug, wenn im Nachbargarten schon ein Kasten hängt, allerdings in zu geringem Abstand zum eigenen Nistkasten. Da man die einziehenden Arten, die den Kasten nutzen sollen, in Grenzen durch die Lochgröße beeinflusst, können Kästen mit unterschiedlich großen Löchern unter Umständen auch dichter beisammen hängen.
Nistkastenbau
Hier folgen keine Bauanleitungen (siehe dazu die Links unten), nur ein paar allgemeine Anmerkungen. Nistkästen gibt es nicht nur für Höhlenbrüter, auch für die Halbhöhlenbrüter gibt es Varianten dieser Nisthilfen mit halboffener Vorderfront. Nistkästen können aus einem Beton gegossen sein, für den Selbstbau eignet sich natürlich Holz am besten. Das Holz sollte 20 mm stark sein und möglichst ungehobelt. Die Holzart spielt keine Rolle, Tanne hat sich als gut und günstig bewährt. Es sollten auf keinen Fall Leimhölzer wie Sperrholz oder Spanplatten verwendet werden, da diese nicht wetterfest sind. Das Holz sollte gänzlich unbehandelt und unlackiert sein. So kann es zwar nass werden, es kann aber auch schnell wieder trocknen. Nass werden die Kästen nämlich so oder so. Dies ist auch der Grund, warum das Dach nicht mit Teerpappe (Dachpappe) abgedichtet werden sollte. Dadurch wird die Trocknung verzögert. Weiterhin unterstützt die dunkle Pappe das Aufheizen des Nistkastens in der Sonne, wodurch es im Inneren für den Vogelnachwuchs schnell bedrohlich heiß werden kann.

Sumpfmeise
Der Name "Sumpfmeise" lässt vermuten, dass diese Art nicht sehr häufig vorkommt. Sie gehört jedoch zu denjenigen Arten, die durchaus als Gäste in einem Nistkasten zu erwarten sind.
Foto: Sönke Behrends [E-Mail]
Original: Wikimedia Commons [Link]
|
So wie die Lochgröße hängt auch die Grundfläche im Innenraum des Kastens von der Vogelart ab, die einziehen soll. Sie sollte mindestens 12x12 cm betragen, besser jedoch ist eine größere Grundfläche von 14x14 cm. Ist die Grundfläche zu klein, wird es den Jungvögeln schnell zu eng und sie fliegen zu früh aus. Sie können auch bei zu großer Hitze so stark überwärmen, dass sie eingehen. Aus diesem Grund ist neben einer großen Grundfläche auch darauf zu Achten, dass sich in den Ecken des Bodens kleine Löcher (etwa 5 mm Durchmesser) zur Belüftung und gegebenenfalls auch Entwässerung befinden. Nistkästen mit einer Grundfläche von 14x18 cm lassen auch für die Vogeleltern bezüglich ihrer Pflege- und Hygienearbeit keine Wünsche mehr offen. Die Höhe des Kasteninnenraumes sollte mindestens 18-20 cm betragen. Alleine um zu verhindern, dass Katzen und Marder mit ihren Pfoten an die Brut gelangen, sollte der Abstand vom Boden zum Loch mindestens 17 cm betragen.
Artenspektrum und Lochgröße
Mit der Lochgröße kann die Vogelart beeinflusst werden, die in den Nistkasten einziehen soll. Als Gäste zu erwarten sind beispielsweise Blau- und Kolmeisen. Aber auch Haubenmeisen, Sumpfmeisen, Tannenmeisen, Trauerschnäpper, Gartenrotschwanz, Star, Haus- und Feldsperling. Der Hausrotschwanz mag die halboffenen Kästen.
Kleiber sind auch zu erwarten. Sie haben ihren Namen übrigens von der Technik her, zu große Löcher natürlicher Baumhöhlen oder Spechthöhlen durch Lehm zu verkleinern (verkleben, verkleibern). Dadurch halten sie effektiv Feinde von der Brut fern. Wenn dem Kleiber also das Loch zu groß sein sollte...
Auch Insekten, unter ihnen Tag- und Nachtfalter, Hummeln, Wespen, Hornissen und andere Wildbienen aber auch Parasiten, etwa Flöhe sowie Spinnen und Milben gehören zum Artenspektrum, das abgerundet wird durch Siebenschläfer, Haselmaus, Wald- und Gelbhalsmaus. Diese Säugetiere ziehen nach der Brutsaison ein und finden in den Kästen auch im Winter Schutz.
Die einzelnen Vogelarten bevorzugen folgende Lochgrößen (Durchmesser):
- Kleinmeisen, wie Blau-, Hauben-, Sumpf- und Tannenmeisen: 26 - 27 mm
- Kohlmeise, Feldsperling, Kleiber: 30 - 32 mm
- Haussperling, (Feldsperling), Trauerschnäpper: 35 mm
- Star: 42 - 50 mm
Anstelle eines runden Loches kann man z.B. für die Kohlmeise auch ein Langloch von 30x50 mm bohren. Zum Schutz vor Eichhörnchen und Spechten kann vor dem Loch ein Blech befestigt werden. Das Blech verhindert eine Vergrößerung des Loches. Das Loch in dem Blech sollte ca. 2 mm im Durchmesser größer sein, damit sich die Vögel nicht daran verletzen können. Sie kommen dann nur mit dem hölzernen Einflugloch in Kontakt.

Mäuse im Meisenkasten
Wenn die Vögel ihr Brutgeschäft beendet haben, ist die Nutzung des Nistkastens nicht unbedingt schon vorbei. Über den Winter ziehen ganz gerne Säuger (hier wahrscheinlich Gelbhalsmäuse) in die gemütlichen Nester ein.
Foto: Sönke Behrends [E-Mail] S. auch Bild in der Galerie [Link].
|
Reinigung des Nistkastens
Es sollte sich von selbst verstehen, dass die Kästen während der Brutzeit nicht geöffnet werden. Während dieser Zeit können allenfalls Kastenkontrollen von erfahrenen Naturschützern vorgenommen werden. Die Kästen sollten erst ab dem Spätsommer, also September, wieder geöffnet werden. Die Vögel haben dann auf jeden Fall ihr Brutgeschäft abgeschlossen. Zudem sind die "Nachmieter" in der Regel noch nicht eingezogen. Die Reinigung kann noch bis in den November hinein erfolgen. Ab Oktober wird es aber immer wahrscheinlicher, dass man dort schon Wintergäste antrifft. Ganz sicher ist man vor Überraschungen aber nie, auch im September nicht. Sollte man die Chance im Herbst verpasst haben, kann man im Februar wieder eine Reinigung versuchen. Aber auch da besteht noch die Wahrscheinlichkeit, dass Wintergäste gestört werden.
Die Reinigung an sich ist recht einfach, es wird das gesamte alte Nistmaterial entfernt und der Kasten gegebenenfalls noch ausgefegt. Bei stärkerer Verunreinigung kann auch eine Drahtbürste helfen.
Links
Erstellt am 26.01.2006 14:58 von guido
Aktualisiert am 13.01.2009 17:33 von guido
|
|
|